Nachhaltigkeit im Krankenhaus: Warum das Thema heute wichtiger ist, denn je

„Es ist an der Zeit, eine unbestreitbare Wahrheit anzuerkennen: Die Klimakrise ist eine Gesundheitskrise. Sie hat bereits tödliche Folgen, und ohne dringende Maßnahmen wird es noch viel schlimmer werden“.

Dr. Hans Henri P. Kluge, WHO-Regionaldirektor für Europa (WHO, 2025)


Warum Nachhaltigkeit für Krankenhäuser eine besondere Bedeutung hat

Kaum ein anderer Sektor steht so unmittelbar im Zusammenhang mit den Folgen des Klimawandels wie das Gesundheitswesen. Extreme Hitzeereignisse, Luftverschmutzung oder Überschwemmungen wirken sich direkt auf die Morbidität und Mortalität aus – mit spürbaren Effekten auf die Versorgungsnachfrage (WHO, 2025; Günster & Schmuker, 2024).

Nachhaltigkeit stellt im Krankenhauswesen längst keinen kurzfristigen Trend mehr dar, sondern gehört zu den zentralen strategischen Handlungsfeldern. Krankenhäuser zählen zu den energieintensivsten Einrichtungen in Deutschland: Der Median-Stromverbrauch lag laut DKI (2022) bereits 2019 bei 5,5 Mio. kWh pro Jahr, verbunden mit jährlichen Stromkosten von über 1 Mio. Euro. Wobei große Krankenhäuser ab 600 Betten einen deutlich höheren Verbrauch aufweisen, bedingt durch mehrere Standorte, komplexe technische Anlagen und eine Vielzahl energieintensiver Großgeräte (DKI, 2022).

Zusätzlich beeinflusst der Klimawandel die Gesundheit der Bevölkerung, Lieferketten werden fragiler, die personelle Resilienz des Systems nimmt weiter ab und die Erwartungen der Öffentlichkeit steigen (Winklmayr et al., 2022; Maihold & Mühlhöfer, 2021; Penter et al., 2023).

All dies macht deutlich: Nachhaltigkeit ist keine Zusatzaufgabe, sondern eine Grundvoraussetzung für Versorgungssicherheit und Zukunftsfähigkeit. Nachhaltigkeit bedeutet weit mehr als Klimaschutz und Ressourceneffizienz im Krankenhaus. Es umfasst auch das sichere Funktionieren von Versorgungsstrukturen, den verantwortungsvollen Umgang mit Personal, die Stabilität von Lieferketten und die Vermeidung von Risiken, die die Patientenversorgung beeinträchtigen könnten.

Nachhaltigkeit bleibt relevant – auch ohne gesetzliche Berichtspflicht

Mit der europäischen Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) wurde die Nachhaltigkeitsberichterstattung umfassend modernisiert. Gleichzeitig verschieben politische Entscheidungen wie die „Stop-the-Clock“-Richtlinie die unmittelbare Verpflichtung für viele Unternehmen (Europäisches Parlament und Rat der Europäischen Union, 2025). Für viele Krankenhäuser bedeutet das: Sie sind aktuell noch nicht zur formalen Berichterstattung verpflichtet.

Doch eine geringe Regelungsdichte bedeutet nicht, dass Nachhaltigkeit weniger wichtig ist. Im Gegenteil:

  • Banken und Fördermittelgeber orientieren Kreditvergaben zunehmend an ESG-Kriterien.
  • Politik und Kostenträger erwarten strategische Nachhaltigkeitsaktivitäten in der Krankenhausplanung.
  • Fachkräfte bevorzugen Arbeitgeber, die ökologische und soziale Verantwortung ernst nehmen.
  • Öffentlichkeit und Patienten achten verstärkt auf verantwortungsbewusstes Handeln.
  • Klimarisiken und volatile Energiepreise machen nachhaltiges Wirtschaften zu einem echten wirtschaftlichen Vorteil.


Wer heute proaktiv handelt, schafft sich im Wettbewerb um Personal, Finanzierung und Reputation klare Vorteile. Nachhaltigkeit ist damit auch ohne gesetzliche Verpflichtung ein entscheidender Bestandteil der Zukunftssicherung.

 

Kosten-Nutzen-Vorteile: ESG im Krankenhaus konkret

Nachhaltigkeit bringt nicht nur ökologische oder soziale Vorteile, sondern auch messbare wirtschaftliche Effekte. Entlang der ESG-Dimensionen (Environment, Social, Governance) lassen sich klare Potenziale erkennen:


E – Environment (Ökologie)

Beispiele für Einsparpotenziale:

  • Energieeffizienzmaßnahmen senken die Betriebskosten.
  • Reduzierung von Einwegmaterialien verringert Beschaffungs- und Entsorgungskosten.
  • Der bewusste Umgang mit Narkosegasen mindert sowohl Emissionen als auch Kosten.

Die Folge: geringere Abhängigkeit von Energiepreisen und höhere Resilienz der Versorgung.


S – Social (Soziales)

Beispiele für Wirkung und Wirtschaftlichkeit:

  • Verbesserte Arbeitsbedingungen reduzieren Fehlzeiten und Fluktuation.
  • Eine nachhaltige Unternehmenskultur erhöht die Personalbindung – ein entscheidender Faktor im Wettbewerb um Fachkräfte.
  • Gesundheitsfördernde Maßnahmen zahlen direkt auf Produktivität und Versorgungsqualität ein.


G – Governance

Effekte durch gute Steuerung:

  • Klare Verantwortlichkeiten und Prozesse reduzieren Risiken und erhöhen die Entscheidungssicherheit.
  • Verbesserte Datenqualität führt zu effizienteren Abläufen und weniger Reibungsverlusten.
  • Kliniken gewinnen Vertrauen von Aufsichtsgremien, Banken und Öffentlichkeit.

Gut gemachte Nachhaltigkeit stärkt somit nicht nur Umwelt und Gesellschaft – sie verbessert die Wirtschaftlichkeit und Krisenfestigkeit des gesamten Krankenhauses.

Wie Beratungsunternehmen Krankenhäuser niederschwellig unterstützen können

Viele Kliniken suchen einen praxisnahen Einstieg ins Thema Nachhaltigkeit, ohne sofort umfassende Berichtspflichten erfüllen zu müssen. Beratungsunternehmen können hier wertvolle Unterstützung leisten – niedrigschwellig, pragmatisch und mit direktem Nutzen:

1. ESG-Baseline-Check

Eine kompakte Bestandsaufnahme in den Bereichen Umwelt, Soziales und Governance zeigt auf, wo Potenziale liegen – inklusive Sofortmaßnahmen mit erkennbarem Nutzen.

2. Quick-Assessment zur ISO 9001:2025

Die kommende Norm stärkt Nachhaltigkeitsanforderungen im Qualitätsmanagement. Ein kurzer Check hilft, Lücken zu erkennen und sich auf Audits vorzubereiten.

3. Erstellung eines Nachhaltigkeitsprofils

Ein schlankes, aber strukturiertes Dokument für Banken, Fördermittelgeber oder Träger – ohne formellen CSRD-Bericht.

4. Workshops zu nachhaltiger Unternehmenskultur und Mitarbeitendenbindung

Gerade im Kliniksektor ein entscheidender Hebel für Stabilität und Versorgungsqualität.

5. Nachhaltige Beschaffung

Analyse ausgewählter Materialgruppen mit identifizierbaren Umwelt- und Kostenvorteilen.

6. Klimarisiko-Check

Bewertung der Wetter- und Versorgungsrisiken als Grundlage für Investitions- und Notfallplanung.

Diese Leistungen ermöglichen einen schnellen, praxisnahen Einstieg in das Thema Nachhaltigkeit – mit direktem Mehrwert für Wirtschaftlichkeit, Sicherheit und Attraktivität des Krankenhauses.

 

Literatur

Deutscher Bundestag. (2023). Verteilung der Energiekostenunterstützung für Krankenhäuser. In Wissenschaftliche Dienste. https://www.bundestag.de/resource/blob/958254/e078a45e2cde5a459021658081212119/WD-5-059-23-pdf-data.pdf

Deutsches Krankenhaus Institut (2022). Klimaschutz in deutschen Krankenhäusern: Status quo, Maßnahmen und Investitionskosten. https://www.dkgev.de/fileadmin/default/Mediapool/1_DKG/1.7_Presse/1.7.1_Pressemitteilungen/2022/2022-07-19_DKI-Gutachten_Klimaschutz_in_deutschen_Krankenha__usern.pdf

Deutsche Krankenhausgesellschaft e. V. & Deutsches Krankenhausinstitut e. V. (2025). DKG-Fachkräftemonitoring 2025. In Neue Veröffentlichungsreihe der Deutschen Krankenhausgesellschaft. https://www.dkgev.de/fileadmin/default/Mediapool/1_DKG/1.3_Politik/Positionen/DKI_I_Positionspapier_I_Fachkra__ftemonitoring_03-2025_RZ_Ansicht.pdf?utm_source=chatgpt.com

Europäisches Parlament und Rat der Europäischen Union. (2025). Richtlinie (EU) 2025/794 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 14. April 2025 zur Änderung der Richtlinie (EU) 2022/2464 und (EU) 2024/1760 bezüglich der Daten, ab denen die Mitgliedstaaten bestimmte Anforderungen an die Nachhaltigkeitsberichterstattung und die Sorgfaltspflichten von Unternehmen erfüllen müssen.
https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=OJ:L_202500794

Günster, C. & Schmuker, C. (2024). Gesundheit und Klimawandel – welche Potenziale haben versorgungsnahe Daten? Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz, 67(2), 155–163. https://doi.org/10.1007/s00103-023-03828-8

Kümmerer, K., Stiftung Viamedica, BUND-Gütesiegel, Kösters, R. & DKG e. V. Deutsche Krankenhausgesellschaft. (2020). Erneuerbare Energien und Energieeffizienz in deutschen Kliniken.
https://www.viamedica-stiftung.de/fileadmin/user_upload/Materialien/klinergie2020_prospekt10_final.pdf

Maihold, G. & Mühlhöfer, F. (2021). Instabile Lieferketten gefährden die Versorgungssicherheit: Handlungsoptionen für Unternehmen und Politik. In SWP-Aktuell (Bd. 80).
https://www.swp-berlin.org/publications/products/aktuell/2021A80_Lieferketten_01.pdf

Penter, V., BDO, Blum, K. & Deutsches Krankenhausinstitut e.V. (2023). BDO/DKI-Studie 2023. In BDO/DKI-Studie 2023. https://www.dki.de/fileadmin/user_upload/BDO_DKI_Studie_2023.pdf

Winklmayr, C., Muthers, S., Niemann, H., Mücke, H. & Heiden, M. A. D. (2022). Heat-related mortality in Germany from 1992 to 2021. Deutsches Ärzteblatt International, 119(26), 451–457. https://doi.org/10.3238/arztebl.m2022.0202

World Health Organization: WHO. (2025, 11. Juni). Die Klimakrise ist eine Gesundheitskrise – und die Europäische Region steht unter Druck. World Health Organization. https://www.who.int/europe/de/news/item/11-06-2025-the-climate-crisis-is-a-health-crisis-and-the-european-region-is-in-the-hot-seat